Rückgabe/restitution

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Entwickelt und durchgeführt von: Martin Krenn und Wolfram P. Kastner

Mit: Maria Barthel, Tanja Boukal, Simone M. Paischer, Ian Pedigo, Martin Pi, Horst Reichard

Wann: Im Rahmen der Internationalen Sommerakademie für bildende Kunst Salzburg in der Galerie 5020; Ausstellung vom 21. August – 1. September

Wo: Ausstellung in der Galerie 5020; öffentliche Interventionen an verschiedenen Orten der Stadt Salzburg (Sicherstellung von enteigneten Gebäuden und Theodor Herzl-Gedenktafel)

Beschreibung der Intervention/des Projektes:

Das Projekt von Wolfram P. Kastner und Martin Krenn war sehr umfassend und versuchte auf mehreren Ebenen auf den verschleppten Skandal der bislang in vielen Fällen nicht erfolgten Restitution von während des NS-Regimes enteigneten Besitzes aufmerksam zu machen. Hierbei beschränkte sich das Projekt nicht auf die Ausstellung in der Galerie 5020, in der Dokumente gezeigt wurden, die die verweigerte Rückgabe enteigneter Güter belegen. Vielmehr versuchten die TeilnehmerInnen diesen Skandal für alle sichtbar zu machen und in Form der Anbringung von Sicherstellungsplaketten an bislang nicht restituierten Gütern

in die Öffentlichkeit zu tragen. Das Ausmaß der Enteignung und die Versäumnisse nach 1945 wurden so unübersehbar verdeutlicht. Auslöser eines Gerichtsverfahrens wegen Sachbeschädigung waren jedoch nicht diese Plaketten, sondern eine weitere künstlerische Intervention im Rahmen dieses Projekts. So war auf der Salzburger Gedenktafel für Theodor Herzl folgendes zu lesen: „In Salzburg brachte ich einige der glücklichsten Stunden meines Lebens zu.“ Der folgende entscheidende Nachsatz wurde jedoch nicht berücksichtigt: „Ich wäre

auch gerne in dieser schönen Stadt geblieben, aber als Jude wäre ich nie zur Stellung eines Richters befördert worden.“ Die bewusst gekürzte Version der Darstellung Salzburgs durch Herzl offenbart die Instrumentalisierung berühmter Persönlichkeiten für touristische u.a. Zwecke. Dieses Beispiel zeigt, dass Gedenktafeln, Ehrendenkmäler, Straßen- und Platzbezeichnungen etc. einer genauen Überprüfung bedürfen, um eben eine solche Instrumentalisierung oder in anderen Fällen auch Vertuschung der nationalsozialistischen Vergangenheit der Geehrten zu verhindern. Der Umgang der Stadt Salzburg mit dieser künstlerischen Intervention ist bezeichnend für das Thema des ganzen Projekts: So verschwand die ergänzte Passage wieder, das Strafverfahren (gegen Kastner und Krenn) wurde eingeleitet. Das Beispiel Theodor Herzls zeigt klar die Verantwortung bzw. auch

die Bedeutung künstlerischer Interventionen auf. Vielfach sind es diese Interventionen, die unübersehbar auf unangenehme Themen verweisen und dazu beitragen, dass auch Kapitel der Geschichte der Stadt Salzburg kritisch beleuchtet werden, die gerne verdrängt würden.